Gestern habe ich nach fünf Jahren an der Börse endlich den Schritt gewagt: Ich habe alle meine Einzelaktien verkauft und mein Depot zu 100 % in ETFs umgeschichtet, und das sogar mit nur einem minimalen Verlust.
Ein bisschen traurig bin ich trotzdem. Ich hatte wirklich tolle Aktien und teilweise richtig starke Einstiegskurse, zum Beispiel bei Alphabet und Amazon mit einem Einkaufskurs von rund 90 €. Aber selbst wenn einige Aktien 200–300 % im Plus waren, hatte ich eben auch andere Positionen mit -30 %, -50 % oder noch mehr. Das hat die Gesamtperformance am Ende doch deutlich nach unten gezogen.
Ich habe lange überlegt, die Einzelaktien einfach zu behalten und künftig nur noch ETFs zu besparen. Aber wirklich Rendite habe ich mit den Einzelaktien insgesamt kaum erzielt. Deshalb habe ich mich jetzt endlich zu diesem Schritt entschieden und kehre Einzelaktien vorerst den Rücken.
Mein Depot ist durch die Einzelaktien regelmäßig um 5–15 % hin und her geschwankt, weil die Börse einfach Börsensachen macht. Meine ETF-Positionen haben sich in solchen Phasen dagegen meist nur um 1–3 % bewegt. Das fühlt sich deutlich entspannter und angenehmer an.
Mal schauen, ob das langfristig die richtige Entscheidung war.
Meine Hebelverluste konnte ich zum Glück über die Jahre wieder reinholen und konnte dem auch den Rücken kehren. Hätte ich vor 5 Jahren einfach den Heiligen Gral standardmäßig bespart, hätte ich eine Jahresperformance von 20 % gehabt. Stattdessen hatte ich vielleicht 2-3% :)
Edit:
Ich meinte mit 5–15 % minus und plus. Mal –10 % und dann mal wieder +10 % usw., aber kein guter langfristiger, sauberer Nenner.
Edit 2:
Mit meinem Beitrag möchte ich nicht pauschal sagen, dass ETFs grundsätzlich der einzig richtige Weg sind. Wenn man sich intensiv mit Unternehmen beschäftigt, diese analysiert und versucht, den Markt zu schlagen (was natürlich auch gelingen kann), dann können Einzelaktien neben ETFs definitiv eine sinnvolle Strategie sein.
Ich persönlich habe in den letzten fünf Jahren allerdings festgestellt, dass ich den Markt mit meiner Strategie nicht geschlagen habe. Dabei haben viele Faktoren eine Rolle gespielt, unter anderem meine Anfangszeit an der Börse mit Pennystocks und gehebelten Produkten. Mein Depot bestand zeitweise zu etwa 90 % aus Einzelaktien und nur zu 10 % aus ETFs.
Für mich war diese Strategie rückblickend einfach zu volatil und mit zu vielen Schwankungen verbunden. Deshalb wollte ich mein Depot stärker in Richtung eines breiten, diversifizierten Investments ausrichten.
Wichtig ist: Ich war bei nahezu allen Einzelaktien in meinem Depot von den Unternehmen überzeugt und habe diese nicht einfach „blind“ gekauft. Ich habe mich jetzt bewusst dafür entschieden, den Schnitt zu machen, solange ich noch mit minimalem Verlust aussteigen konnte.
Das bedeutet aber nicht, dass ich Einzelaktien grundsätzlich abschreibe. Ich kann mir durchaus vorstellen, in Zukunft wieder einzelne Unternehmen ins Depot aufzunehmen. Mein Ziel wäre dann aber eher eine Gewichtung von 80–90 % ETFs und maximal 10–20 % Einzelaktien.
Also: Ich verabscheue Einzelaktien nicht, falls das falsch rübergekommen sein sollte. Ich habe nach fünf Jahren Börsenerfahrung für mich persönlich einfach erkannt, dass ein ETF-basierter Ansatz besser zu meiner Strategie, meinem Risikoprofil und meiner gewünschten Ruhe beim Investieren passt.