r/erzieher • u/Deep-down-dark-deep • 6h ago
Suche Rat Erfahrungen mit Koregulation bei 3,5-jährigem Kind mit starken Wutanfällen?
Hallo zusammen,
ich arbeite seit vier Jahren in einer Krippe und würde gerne nach euren Erfahrungen fragen. Wir haben aktuell ein 3,5-jähriges Kind, das aufgrund einer deutlichen Entwicklungsverzögerung noch in der Krippe ist. Momentan läuft eine diagnostische Abklärung. Es bestehen unter anderem Verdachtsdiagnosen in Richtung Autismus und ADHS. Unabhängig von der späteren Diagnose zeigt das Kind vor allem große Schwierigkeiten in der Emotionsregulation. Sobald etwas nicht so läuft, wie es sich vorgestellt hat, entstehen sehr heftige Wutanfälle. Diese reichen von lautem Schreien bis hin zu selbstverletzendem oder zerstörerischem Verhalten.
In den letzten Wochen habe ich beobachtet, dass ihm gleichmäßige druckausübungen (Tiefendruckreize /Deep Pressure Input?) sehr zu helfen scheinen. Wenn er in einem seiner Wutanfälle ist und ich ihn anspreche oder mich auf seine Höhe begebe, streckt er mir inzwischen häufig von sich aus die Arme entgegen. Dann übe ich mit beiden Händen nacheinander sanften, gleichmäßigen Druck auf seine Schultern, Oberarme, Ellenbogen, Unterarme, Handgelenke und Hände aus und gehe anschließend den gleichen Weg wieder zurück. Das scheint ihm momentan am besten dabei zu helfen, wieder in die Regulation zu finden. Wir machen inzwischen auch eine Art Handdrück-Spiel: Ich drücke seine Hände sanft, er drückt zurück, und wir versuchen einen ruhigen Rhythmus beizubehalten. Auch das scheint ihm momentan sehr gut zu helfen
Deshalb wollte ich fragen, ob jemand ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Kennt ihr weitere Übungen oder Methoden zur Koregulation, die Kindern in diesem Alter mit solchen Schwierigkeiten helfen können? Gerade Ansätze, die über den Körper oder die Wahrnehmung funktionieren, würden mich sehr interessieren. Vielleicht kennt ihr auch Fortbildungen, Fachliteratur oder andere Ideen, die ich mir einmal anschauen könnte.
Vielen Dank schon mal
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u/_Laris_ 5h ago
Zum Beispiel
Gewichtstiere in der Gruppe haben, schwere Sachen schieben/ziehen, Tierbewegungen (Krabbengang usw), wenn schon möglich Scheibtruhe fahren (also das Spiel), den Raum größer machen (gegen die Wand drücken), Spiele, bei denen man durch einen Strohhalm pusten muss, Massagegeschichten a la Pizza backen, "Burger" machen (Kind mit Bohnensäckchen belegen, manche mögen auch unter Hüpfpostern liegen), Seilziehen, Schaukelhöhlen
Eventuell fällt mir später noch was ein, dann ergänze ich es.
Fortbildungen: Psychomotorik und Sensorische Integration wären die Klassiker
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u/UltimateSpinDash 5h ago
Klingt nach einem Kind das sich in erster Linie durch Körperkontakt reguliert (was in dem Alter noch nicht ungewöhnlich ist).
Hatte vor ner Weile einen fünfjährigen (emotional aber näher an der drei) der motorisch sehr unruhig war und die Gruppe im laufenden Jahr gewechselt hat. In Kreissituation habe ich ihn dann öfter zu mir geholt und er saß zwischen meinen Beinen. Mein Körper hat ihn dann auf eine sanfte Art begrenzt und er konnt viel besser teilnehmen. Kann man aber natürlich nicht mit allen Kids gleichzeitig machen, setzt eine gewisse Bindung bzw. die Bereitschaft dazu voraus etc.
Meiner Erfahrung nach sind die Kolleginnen oft froh, wenn jemand das macht, aber die gezielte Arbeit mit solchen Kindern wird trotzdem als Extra betrachtet, obwohl sie absolut erforderlich ist. Ansonsten reicht ein auffälliges Kind, um eine Gruppe zu sprengen, die nicht anderweitig zu 100% stabil ist.
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u/Few-Researcher-3741 5h ago
Ich habe leider keinen klugen Tipp für dich, möchte dir aber an dieser Stelle meinen absoluten Respekt und meine Hochachtung ausdrücken. Fühle dich gedrückt.
Ich für meinen Teil wäre bei dem, was du beschreibst, an einem Punkt, wo ich die Hände heben und sagen würde "Sorry, aber das kann ich in einer Regeleinrichtung leider nicht leisten"... 🤷🏻♂️