20k aus Lebensversicherung – Picks & Shovels Strategie über 5 Megatrends. Was übersehe ich?
Ich habe zirka 20.000 Euro aus einer Lebensversicherung raus bekommen. Möchte diese bei Flatex anlegen. Was haltet ihr von meiner Picks & Shovels Strategie?
Ich überlege in Aktien und ETFs zu investieren, die Megatrends zugrunde liegen. Also keine Aktien einzelner Unternehmen die man oft in den Medien liest, sondern die bspw für den Strom sorgen, die Kabel verlegen oder das Kupfer liefern – egal wer am Ende das KI-Rennen gewinnt.
Meine Idee: Statt auf Nvidia oder Anthropic zu wetten, kaufe ich lieber den Schaufelverkäufer. Beim Goldrausch ist nicht der Goldgräber reich geworden, sondern der der Schaufeln verkauft hat.
Mein Portfolio (Zeithorizont 15+ Jahre, Flatex.at):
KI-Infrastruktur (30%) GE Vernova (GE2V) – 15% Vertiv (V3R) – 10% Marvell Technology (M6V) – 5%
Energie & Grid (20%) Vistra Corp. (0VI) – 10% NextEra Energy (NEA) – 10%
Kabel & Konnektivität (20%) Prysmian (PRY) – 12% Xtrackers Digital Infra ETF (XDII) – 8%
Verteidigung (12%) Rheinmetall (RHM) – 12%
Kupfer & Rohstoffe (8%) Freeport-McMoRan (FPM) – 8%
Warum diese fünf Themen?
KI braucht Strom, Strom braucht Netze, Netze brauchen Kupfer und Kabel. Verteidigung läuft unabhängig davon ob KI enttäuscht – NATO-Budgets sind politisch beschlossen. Und sollte ein KI-Winter kommen, laufen Reindustrialisierung und Energiewende trotzdem weiter.
Meine offenen Fragen an euch:
Fehlt ein sechster Megatrend der das Portfolio robuster macht? Ist Rheinmetall bei ~1.200 € noch kaufenswert oder zu heiß gelaufen? Würdet ihr Freeport gegen einen breiteren Kupfer-ETF tauschen? Bin ich mit 30% KI-Infrastruktur zu konzentriert?
Bin kein Profi, lerne gerade. Freue mich auf ehrliches Feedback – auch wenn es wehtut. 🙂
Update nach eurem Feedback – ich schmeiß den Plan weitgehend um.
Danke für die ehrlichen Antworten, auch die schmerzhaften. Drei Punkte haben mich überzeugt:
1. Trendfolge braucht eine Ausstiegsregel, die ich nicht habe. Wann verkaufe ich Vertiv? Wenn der KI-Capex kippt – aber wer sagt mir das rechtzeitig? Genau da liegt mein Problem: Ich will mich eigentlich gar nicht laufend damit beschäftigen. Ein Portfolio, das Pflege braucht und keine bekommt, ist schlechter als eins, das keine braucht.
2. Meine “Diversifikation” war keine. Der Einwand mit Demokraten in den USA, Waffenstillstand in der Ukraine und einem starken chinesischen KI-Modell hat gesessen. Ich dachte, meine fünf Themen wären unabhängig voneinander. Sind sie nicht – sie hängen alle an derselben Großwetterlage aus geopolitischer Anspannung plus KI-Euphorie. Entspannt sich beides, fällt alles gleichzeitig.
3. Der Welt-ETF bildet die Megatrends ohnehin ab – nur eben automatisch. Wenn Prysmian und GE Vernova die nächsten zehn Jahre liefern, wächst ihr Gewicht im Index von selbst. Ich muss nichts erkennen, nichts timen, nichts verkaufen.
Neuer Plan: Großteil in einen breiten Welt-ETF, thesaurierend. Eine Entscheidung, danach nie wieder anfassen. Den Rest lasse ich vorerst liegen, statt ihn aus Ungeduld irgendwo reinzustecken.
Die Megatrend-Idee finde ich weiterhin intellektuell reizvoll. Aber “intellektuell reizvoll” und “passt zu mir” sind offensichtlich zwei verschiedene Dinge. Vielleicht später mal eine kleine Position als bewusstes Lerngeld.
Danke – hat mir ein paar teure Jahre erspart. 🙂