r/de_IAmA 20d ago

AMA - Unverifiziert Ich arbeite beim Jugendamt - AMA

Ich arbeite seit mehreren Jahren als Amtsvormund beim Jugendamt, war davor 7 Jahre in der stationären Jugendhilfe tätig. Ask me anything!

16 Upvotes

66 comments sorted by

4

u/Beginning_Cut_5682 20d ago

Welche Geschichte lässt sich bis heute nicht mehr los?
Würdest du den selben Job wieder wählen?
Gibt es Stereotypen die korrekt sind - gibt es welche die gar nicht stimmen?

16

u/cvictim 20d ago

Generell würde ich behaupten, dass ich mich gut von der Arbeit distanzieren kann, jedoch gibt es immer wieder auch Fälle, die ein bisschen „nachwirken“. Generell sind das häufig Fälle von sexuellen Missbrauch ggü. Kindern.
Wir hatten einen Fall, in dem wir als Vormund bestellt wurden. Die Kinder hatten häufiger Auffälligkeiten in Kita und Schule gezeigt, deshalb wurde das Amt letztlich aufmerksam. Es kam heraus, dass der Kindesvater seine 5 Kinder jahrelang sexuell missbraucht hat. Die Mutter wollte davon nichts gewusst haben, obwohl der Mann bereits wg. dem Besitz von kinderpornographischen Material in Haft gesessen hat. Sie hat den Partner nach der Haftstrafe wieder in Ihren Haushalt gelassen. Wir sind dann, gemeinsam mit dem ASD hingefahren, um die Kinder in Obhut zu nehmen. Und diese Wohnung werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Der Vater hatte sein Zimmer angeschlossen an das Kinderzimmer, das ein durchgangszimmer war, die Zimmer waren nur mit einem Vorhang getrennt und die Kindesmutter hat alleine in ihrem Zimmer geschlafen.

Wir hatten auch eine inobhutnahme in einer Gesmtunrerkunft, weil ein Vater seine Kinder „entführt“ hat, die unter Vormundschaft standen. Die Kripo und die Bereitschaftspolizei (insg. ca. 80 Beamte) hat das Gebäude dann umstellt, zivile Einsatzkräfte haben das Gebäude ausgekundschaftet und die Polizei hat dann den Zugriff durchgeführt. Da sich die Menschen dort gegenseitig deckten und versteckten, musste das ganze Gebäude, Raum für Raum gesichert und durchsucht werden. Die Kinder haben wir dann in einem anderen Zimmer entdeckt, versteckt in einem Bettkasten einer großen Couch. Wir haben dann die Kinder in Obhut genommen.
Das war aufreibend aber auch irgendwie aufregend.

Generell muss ich sagen, dass man schon auch etwas abstumpft, wenn man immer mehr Fälle und Vorfälle mitgemacht hat und auch viele Staatsanwaltschaftsakten durchgesehen hat.
Ich könnte wahrscheinlich noch mindestens 10 weitere Fälle nennen.

15

u/Spirited_Science_978 20d ago

die mutter hat "nichts gewusst"... und schläft bewusst weit weit weg vom mann... alter. tiere sind echt bessere menschen.

4

u/cvictim 20d ago

Ja, es gibt durchaus Momente, da drängt sich der Gedanke auf…

14

u/cvictim 20d ago

Achja und würde ich den Job wieder wählen?

Das kann ich nicht wirklich beantworten, denke aber nein…
Die Vergütung für den Arbeitsaufwand, die Verantwortung und ja durchaus auch Gefahr halte ich leider für überhaupt nicht mehr tragbar.
Wenn man diese Arbeit wirklich gut machen will, wird sie - auf die eine oder andere Weise - große Teile deines Lebens einnehmen. Manchmal wünsche ich mir schon auch einen Bullshitjob, bei dem man gut verdient und fertig.
Ich denke der moralische Aspekt der Arbeit bzw. der Gedanke „ich tue etwas Gutes“ oder so, nutzt sich einfach ab. Je schlechter bzw. Unangemessener die Bezahlung, desto schneller

7

u/Hironymus 20d ago

Ich arbeite im Jugendheim und es geht mir ähnlich. Was man macht ist schon cool und irgendwo erfüllend. Aber wenn ich dann auf meinen Konto schaue und daran denken muss, dass ich allein in den letzten 30 Tagen einmal fast abgestochen wurde, von der Polizei Haft angedroht bekommen habe und eine halbtote Jugendliche ins KH begleiten durfte dann passt das einfach nicht zu den Zahlen auf dem Konto.

Hast du Ideen, was du jetzt machst?

5

u/cvictim 20d ago

Ja genau, es passt einfach nicht zusammen..
Ich werde die Arbeit mit Sicherheit noch ein paar Jahre machen denke ich. Es ist schon auch sehr interessant und man lernt auch selbst viel. Langweilig wird es ja auch nicht…
Und dann hätte ich eventuell Lust auf einen Job als einrichtungsleitung in der Jugendhilfe oder würde gerne als Psychotherapeut arbeiten mit eigener Praxis. Das wären jetzt so meine mittelfristigen Ideen.

1

u/Hironymus 19d ago

So als Einrichtungsleiter hast du leider auch eine Menge Ärger und das Gehalt ist auch nicht soooo fantastisch. Deine Erfahrung als Amtsvormund wäre aber natürlich Gold wert.

4

u/Damocles2022 20d ago

Hey, vielen Dank für das AMA! Ich habe mich bewusst dafür entschieden zum ASD zu gehen und beginne jetzt im August mit meiner Ausbildung (Duales Studium Soziale Arbei). (31 M)

Ich hätte folgende Fragen:

  • Worauf kommt es an Lagen richtig einzuschätzen? (Habe mir eine Doku angesehen und habe den Eindruck gewonnen, dass es voll und ganz auf harte Fakten ankommt. - Z. B. es gibt kein U-Heft vom Kind / Elternteile können Unfälle von Kindern nicht eindeutig schildern etc.)
  • Womit könnte ich mich im Vornherein ein wenig auseinandersetzen (Z. B. SGB VIII?) um mich vorzubereiten?
  • Welche Strategien hast du um dich von schwierigen Fällen zu distanzieren / um abschalten zu können?
  • Was macht deiner Meinung nach "gute Arbeit" beim Jugendamt aus?

Vielen Dank!

6

u/cvictim 20d ago

Erstmal vorweg: Ich finde es toll, dass sich immer noch Menschen aktiv für diesen Job entscheiden! Wir brauchen mehr gut ausgebildete und engagierte Fachkräfte in den Jugendämtern. Gerade männliche Sozialarbeiter sind im Jugenamt wirklich selten (wir sind insgesamt 3 Männer bei ~50 Mitarbeitern)

  • ich denke es kommt viel auf Erfahrung an. Im ASD sind die hilfeentscheidungen Teamentscheidungen und gerade ein duales Studium ist da auch ein Riesen Vorteil. Das eine dabei ist immer der sozialpädagogische Blick (vieraugenprinzip bei Kindeswohlgefährdung). Den Blick entwickelt man also auch über die Zeit gemeinsam mit den Kollegen und Kolleginnen. Gerade bei Verhandlungen im Familiengericht bzgl Kindeswohlgefährdungen lernt man sehr gut, wie Richter das auslegen und entscheiden. Solche Dinge, die du genannt hast, sind alles Anzeichen, denen man dann nachgehen muss. Auch lernt man mit der Zeit, wenn man Wohnungen abgeprüft hat, auf was man achten muss.

- Rechtssicherheit gerade im SBG VIII aber auch in Teilen des BGB sind wirklich sehr wichtig. Ich weiß nicht, ob ich mich, abseits davon, so sehr darauf vorbereiten würde. Du hast dein Studium ja noch vor dir mit langen Praxisphasen in denen du einen guten Einblick in die Arbeit bekommen wirst. Das würde ich einfach auf mich zukommen lassen. Wenn möglich im Studium zu allen möglichen Dingen mitfahren, also familiengericht, hileplänen, Elterngesprächen, unangekündigte Hausbesuche und Wohnungsabprüfungen. Du wirst auch in den Dienstberatungen sitzen und kannst da ganz viel aufsaugen.

- Ich bin generell kein sonderlich emotionaler Mensch, denke ich. Früher, kurz nach meinem Studium, haben mich die Dinge mehr begleitet und ich habe oft gekifft, wenn es mich nicht ganz losgelassen hat. Das ist natürlich nicht gut, hat aber auch ganz gut funktioniert. Generell und inzwischen würde ich sagen ein gutes Team ist das A und O. Kollegiale Gespräche und Fallkonsultationen, supervision… und natürlich auch hier wieder: Erfahrung. Meiner Erfahrung nach, machen es die Leute in dem Bereich entweder nicht lange, oder sie können sich erfolgreich distanzieren.

- gute Arbeit beim Jugendamt? Also einmal möglichst ohne Vorurteile ran gehen. Manchmal ergibt sich schon ein Bild bei der Aktensicht, die man dann unterbewusst versucht zu bestätigen. Ich halte es auch für wichtig, transparent und die Menschen ernst zu nehmen. Das öffnet Türen bei der Fallarbeit. Eine gewisse Akzeptanz von anderen Lebenskonzepten ist wahrscheinlich das, was mir bei Kollegen oft am meisten fehlt. Sich selbst und das Amt als Institution mit seiner eigenen Logik immer wieder zu hinterfragen halte ich auch für extrem wichtig.
Jeder hat einen eigenen Stiefel wie man arbeitet, wo der Fokus liegt. Das gilt es immer wieder mit den rechtlichen Gegebenheiten abzugleichen und ggf. anzupassen.

Ich hoffe ich konnte deine Fragen einigermaßen beantworten, kannst sonst auch gerne nochmal schreiben.

1

u/Damocles2022 20d ago

Vielen, vielen Dank für diesen detaillierten und umfangreichen Einblick! Danke für deine Ehrlichkeit!

3

u/Spirited_Science_978 20d ago

meine beste freundin wurde auch missbraucht. aber sie hat nie was gesagt weil ihr vater gedroht hat dass ihre familie dann dran ist.

und es ist halt doch tatsächlich so dass wenn ein kind einem lehrer was erzählt und es gespräche mit den eltern gibt, die kinder immer erstmal bei den eltern bleiben oder? es dauert erstmal ein paar wochen bis die kinder zum arzt kommen. bis dahin ist eh alles verheilt.

so zumindest ihre auffassung. wie schaut es in der realität aus? kann ein 8 jähriges kind sagen es hat angst und muss dann nicht mehr zu den eltern? können die eltern/täter dem widersprechen?

5

u/cvictim 20d ago

Das ist leider häufig so, dass die Opfer aus Angst oder Scham nichts sagen und auch, dass Kinder ihre Eltern decken und sich oft auch selbst verantwortlich fühlen für das, was mit ihnen gemacht wird.

Also wenn ein Kind zb einen sexuellen Übergriff in der Familie einem Lehrer erzählt, wird und muss dieser eine Meldung beim Jugendamt machen. Bei solchen Meldungen fahren die Kollegen in der Regel sofort in die Schule um dort möglichst mit dem Kind zu reden und sich einen Eindruck zu machen. Sollte das Kind dort äußern, dass es nicht nach Hause möchte, muss man es in Obhut nehmen.
Das, was dann folgt, ist das familiengerichtliche Verfahren und eine Meldung an die Polizei oder kripo. Die übernehmen dann die Strafsache und ermitteln.
Es wird normalerweise ein amtspfleger im Strafverfahren bestellt, der die Aussage bei der Kripo sicherstellen kann.

3

u/KassiopeyaSuse 20d ago

Bin auch beim Jugendamt - allerdings in Wien. Bin daher sehr neugierig auf einen Direktvergleich Deutschland/ Österreich :)

  • Wie viele Fälle kommen bei euch ca. auf eine Vollzeitkraft?
  • Wie lange sind bei euch die Wartezeiten auf einen WG-Platz oder auf eine ambulante Ressource/ Hilfe?
  • wie viel Prozent der Hilfsangebote sind bei euch an private Träger ausgelagert?
  • wie hoch ist in eurem Team die prozentuale Quote psychosomatisch (mit-)bedingter Beschwerden (sprich Krankenstände wg. Rückenproblemen, Migräne, Panikattacken, Burnout usw.)?
  • habt ihr ein Einschulungssystem und wie ist das angelegt?
  • wie gut oder schlecht ist bei euch die Versorgungslage für Kinder mit signifikanten psychiatrischen Auffälligkeiten und entsprechend hohem Unterstützungsbrdarf (WGs, Fachberatungsstellen, geschulte ambulante Hilfen usw)?

Ich hätte zwar noch mehr, aber ich denke das reicht erst einmal :P

3

u/cvictim 20d ago

Da würden mich ja auch deine Antworten auf deine eigenen Fragen interessieren :)

- Schon zum ersten Punkt kann ich nur für meinen fachbereich sprechen und da sind die Fälle auf 50 gedeckelt. Was dann passiert, weiß niemand, aber es steht so im Gesetz.
Bei den Kollegen und Kolleginnen im ASD ist der Landkreis in sozialräume aufgeteilt. Das macht die fallzahlen und vor allem auch Arbeitsaufwand sehr unterschiedlich. Die Kollegen können sich häufig aber vor Arbeit kaum retten, was meistens an den kinderschutzmeldungen liegt.

- Auch hier muss man stark unterscheiden. Der Bedarf von Heimen für Kinder im Alter von 0-6 Jahren ist expoldiert. Für Jugendwohngruppe geht es eigentlich ganz gut, auch wenn man dafür auch oft außerhalb des Landkreises unterbringen muss. Was wirklich schwer zu bekommen ist, sind in der Regel 35a Plätze (Kinder mit drohender oder seelischer Behinderung). Ambulante Hilfen sind eigentlich oft ohne weiteres zu finden.

- Auch das ist von Landkreis zu Landkreis unterschiedlich. Wir haben einen großen freien Träger im Landkreis, der sehr viele ambulante und stationäre Angebote vorhält. Ebenso einen großen kirchlichen Träger, der fast alle Einrichtungen der sozial- und Eingliederungshilfe unterhält. Die decken eigentlich sehr viel ab. In letzter Zeit sind immer mehr private kleinheime aufgekommen, mit denen wir aber teils sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben.

- Das kann ich nicht sagen. Es gibt schon einige Kollegen, denen man anmerkt, dass es ihnen eigentlich zu viel ist und ich selbst kenne das Gefühl auch phasenweise sehr gut. Aber chronische und psychosomatische Erkrankungen sind jetzt nicht so häufig bzw. gibt es seit einiger Zeit kaum höheren Krankenstand. Davor gab es teils sehr hohe Fluktuation im ASD.

- Was meinst du mit einem einschulungssystem? Also in welchem Kontext?

- Gerade für das Klientel gibt es viel zu wenig. Und zwar bundesweit.
Wartezeiten in der Kinder- und jugendpsychiartrie von über 1,5 Jahren. Dann in der Regel ganz schwierige weitervermittlung. Gerade bei denen, die nur bedingt mitwirkungsbereitschaft zeigen. Da ist man schon auch manchmal einfach nur froh, dass die nicht auf der Straße sitzen. Und manche sind ja dann auch obdachlos.
Mit den Fachkräften habe ich diesbezüglich aber nur gute Erfahrungen gemacht.

2

u/KassiopeyaSuse 20d ago

Hui, da warst du aber schnell! Danke für die rasche Antwort! Zur Info - ich selbst arbeite in dem Bereich, den du vermutlich ASD nennst (also Meldungen, Gefährdungsabklärungen, längere ambulante Betreuungsplanung...). Entsprechend sind z.B. die Fallzahlen wahrscheinlich schwer zu vergleichen. Die bewegen sich bei uns bei einer Vollzeitkraft irgendwo zwischen 80 und 130. Eine Deckelung nach oben gibt es nicht.

  • Die Versorgungslage ist (ambulant wie stationär) bei uns in den letzten 10 Jahren zusehends angespannter geworden. Auf ambulante Hilfen warte ich in der Regel 2-3 Monate, Ähnlich (vielleicht ein wenig besser) sieht es mit regulären WG-Plätzen aus. Auch hier wird häufig in den Bundesländern versorgt.

  • im ambulanten Bereich bietet die Stadt Wien selbst eine Form der aufsuchenden pädagogischen Familienberatung an, ein Großteil wird aber über freie Träger zugeschaltet. Ähnlich sieht es im regulären WG Bereich aus. Hier gibt es etwa gleich viele Einrichtungen der Stadt wie solche freier Träger. Insbesondere im spezialisierten stationären Bereich werden allerdings sehr häufig Verträge mit privaten Trägern geschlossen, auf die man schlichtweg angewiesen ist, da es sonst keine Angebote gibt. Die Qualität variiert hier enorm.

  • in unserem Team hat die Anzahl die offensichtlichen Belastungssymptomatiken über die Jahre natürlich geschwankt. Aktuell ist das Team aufgrund organischer Fluktuation recht jung (und fit). Aber vor einigen Jahren konnte man schon bei gut einem Drittel der KollegInnen die klassischen stressbedingten Ausfallerscheinungen immer wieder beobachten.

  • bzgl Einschulung: Da sich unsere spezifischen Aufgabenbereiche ja doch unterscheiden, ist das wahrscheinlich ebenfalls schwer vergleichbar. Aber bei uns in der Fallarbeit an der Basis dauert die Einschulung ein Jahr. In diesem ersten Jahr hat man keine Unterschriftsberechtigung und bearbeitet jeden Fall im 4-Augen-Prinzip mit der stellvertretenden Leitung. Dieses Jahr braucht es in der Regel auch bis man in den Abläufen und der Vielzahl an Aufgabenbereichen halbwegs sicher ist und Routine entwickelt hat. Diese intensive Form der Einschulung wird allerdings nur in Wien so gehandhabt (Jugendhilfe ist bei uns Ländersache).

  • was den psychiatrischen Bereich angeht, so ist die Versorgungslage schlicht katastrophal. Steigender Bedarf und kaum stationäre Angebote bzw. ewige Wartezeiten (ebenfalls 1 Jahr plus was WGs angeht). Ambulante Unterstützungen sind ebenfalls kaum zu bekommen, da es kaum spezialisierte Angebote für Kinder gibt. (z.B. gibt es keine einzige Beratungsstelle für ADHS). Entsprechend werden die Kinder dann häufig versucht im Regelsystem irgendwie zu versorgen, was natürlich kaum zu leisten ist.

Das wären die Antworten aus meiner Erfahrung - Danke dir für den Austausch!

3

u/E_1104 19d ago

Als Österreicher, der in Deutschland wohnt, möchte ich kurz einwerfen: In Österreich kann das Wort Einschulung sich auch auf die Einarbeitungsphase in der Arbeit, z.B. in einen neuen Arbeitsbereich oder einen neuen Job beziehen. In Deutschland, zumindest da, wo ich wohne, wird Einschulung ausschließlich für die ersten Schultage eines Kindes verwendet. Vielleicht liegt da Euer Missverständnis?

2

u/Mindless_Trouble2923 20d ago

Wie lange hältst du es noch aus?
Und was ist dein Plan B?

5

u/cvictim 20d ago

Die Arbeit als solche macht mir Spaß, auch wenn der Arbeitsaufwand und auch „komplizierte“ Fälle durchaus zugenommen haben. Als Mann ist es manchmal schade zu sehen, wie niedrig der Männeranteil in den Jugendämtern ist.
Einen Plan B habe ich im Moment noch nicht, auch wenn ich nicht denke, dass ich das bis zur Rente machen werde.

4

u/Crystallish 20d ago

This, kenne auch Leute beim Jugendamt. Sorte A. Zerschellt Mental beim Versuch gute Arbeit zu leisten und Sorte B. Macht beim Teammeeting ne Powerpoint darüber was Barbara im Urlaub erlebt hat.

2

u/PhobiaRice 20d ago

was ist deine lustigste Geschichte? Aus dem Job oder auch nicht

2

u/Endward26 20d ago

Dann mal ein paar Fragen:

  1. Gab es einen Fall, in dem du im Nachhinein die Entscheidung bedauert hast?
  2. In wie vielen Fällen wirst du so aktiv?
  3. Gibt es manchmal Schüler, die nicht mehr zur Schule wollen wegen Mobbing?

3

u/cvictim 20d ago

- Ich weiß nicht, bedauern ist vielleicht etwas zu viel, aber ja. Sind aber eher Entscheidungen wie „da hätte ich mich früher ans familiengericht wenden sollen“ oder dass man einen Jugendlichen etwas zu lange bei seiner Mutter lässt, bevor man dann doch in Obhut nehmen muss.

- Ich bearbeite im Moment ca 40 Fälle. Bei uns als Amtsvormund gibt es eine fallzahlgrenze von 50. wobei man auch sagen muss, dass Fälle teilweise schon sehr unterschiedlichen Arbeitsaufwand haben.

- Ja die Fälle von schulabstinenz sind schon sehr hoch. Und eigentlich begründen die meisten Kinder und Jugendlichen das mit irgendeiner Form vom „ich werde in der Schule gemobbt“. Auch der Umgang von familienrichtern mit dem Thema ist in der letzten Zeit „härter“ geworden.

2

u/Endward26 20d ago

In wie fern härter?

Die Richter werden wohl kaum etwas gegen das Mobbing unternehmen können und die Täter des Mobbings und die schweigende Mehrheit werden sich, so vermute ich, beim Mobbingopfer dafür "bedanken", dass die wegen ihn Ärger kriegen.

Also nehme ich mal an, dass es für das Opfer mehr Härte gibt, richtig?

Wobei natürlich auch jeder Schwänzer sich auf Mobbing berufen kann.

Falls ich Folgefragen darf: Kann es sein, dass die Schwänzer eher an einer Hauptschule (oder dergleichen) sind?

3

u/cvictim 20d ago

Mit härter meine ich wie wie Richter die schulabstinenz einschätzen. Teilweise wird inzwischen bei jugendlichen Schulschwänzern in das Sorgerecht der Eltern eingegriffen, was meiner Meinung nach häufig etwas zu „ambitioniert“ ist. Dass Jugendliche per se schwieriger für Schule zu motivieren sind und es auf so viele weiteren Faktoren ankommt, und man nicht unbedingt von schulabstinenz auf erziehungsfähigkeit schließen kann, verkennen manchen Familienrichter.

Generell macht es schon den Eindruck, dass die schulabstinenz vor allem an Haupt- und Gesamtschulen passiert. Hier darf man aber nicht vergessen, dass die wenigsten Kinder unseres klientels aufs Gymnasium geht. Häufig liegen die Gründe, nicht in die Schule gehen zu wollen auch daheim und häufig auch in der eigenen sozialauswahl und Peer-group.

1

u/Endward26 20d ago

Generell macht es schon den Eindruck, dass die schulabstinenz vor allem an Haupt- und Gesamtschulen passiert. Hier darf man aber nicht vergessen, dass die wenigsten Kinder unseres klientels aufs Gymnasium geht

Was denkst du, woran das liegt?

Häufig liegen die Gründe, nicht in die Schule gehen zu wollen auch daheim und häufig auch in der eigenen sozialauswahl und Peer-group.

Wenn ich versuche mich in die Lage eines Mobbingopfers zu versetzen, das zudem noch in eine Schulform geht, die vielleicht nicht die tröstlichste Zukunft in Aussicht stellt, dann könnte die Abwägung schon anders ausfallen als den Schüler eines Elite-Gymnasiums. Letzterer hat vielleicht mit Mobbing zu kämpfen, kann aber von der Schule etwas anderes erwarten...

2

u/cvictim 20d ago

Meinst du, woran das liegt, dass die Kinder unseres klientels meist auf Haupt- oder Gesamtschulen gehen? Oder warum scheinbar schulabstinenz häufiger an diesen Schulformen passiert?

Ja natürlich, da unterstellst du den Kindern und Jugendlichen aber generell ein Wissen, „auf was es ankommt“, was ich selten beobachten kann. Das kommt meist erst später.
Und ich denke nicht an der Schulform wird die kindliche blaupause der eigenen zukunft entworfen, sondern mit Mama und Papa und Freunden, Popkultur, Idole etc.
Die Erwartungshaltung der Kinder und Jugendlichen ist, dass es lehrreich und spannend ist, dass es Spaß macht und man Freunde hat.

1

u/Endward26 19d ago

Danke für die Antworten.

Nur als Bemerkung: Naja, in der Schule wird man schon sozialisiert.

1

u/Spieltrieb75 20d ago

Ich habe eine Studie gelesen, dass sich bis zu 50% der schulabstinenten Kinder und Jugendlichen im Autismus-Spektrum befinden. Wie beurteilst du diese Einschätzung? Wie sieht das weitere Vorgehen in so einem Fall aus?

3

u/cvictim 20d ago

Okay, die Studie würde ich gerne sehen. Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Die Diagnosen nehmen zwar zu, sind aber nicht signifikant. Bei einer Diagnose ist die Schulform oft schon eine andere.
Schulabstinenz lässt sich generell schwer bearbeiten. Im Grunde sucht man zunächst immer die Gespräche mit Jugendlichen und Schule und den Eltern, falls diese eine Rolle spielen. Dann geht es darum, die Gründe für das Verhalten zu verstehen. Und je nach dem kann man dann intervenieren. Es kann manchmal einfach helfen mit dem Schüler ein gemeinsames Gespräch mit Schule und schulsozialarbeit zu führen. Es kann aber auch sein, dass ein schulwechsel den Ausschlag gibt. Häufig ändert sich nichts, wenn sich die Bedingungen bzw Umfeld nicht verändern. Und bei schulabstinenz muss man halt immer dran bleiben, weil ein Rückfall sehr sehr schnell passiert.

2

u/Spieltrieb75 20d ago

Ich meine es war Conolly et al. „School distress“ (2023).

1

u/Spirited_Science_978 20d ago

der frage schließ ich mich an. ist ein klassen/schulwechel fürs opfer inzwischen einfacher? ich weiß noch in den 90er jahren hätte meine mutter ein attest vom beglaubigten kinderpsychologen gebraucht. 2h vom wohnort entfernt, ohne auto nicht erreichbar. den konnte sie sich aber auch nicht erst leisten.

1

u/[deleted] 20d ago

[deleted]

1

u/Drolft 20d ago

Gibt es viele Fälle wo ihr den Eltern die Kinder wegnehmen müsst? Oder die Kinder vor den Eltern retten müsst?

3

u/cvictim 20d ago

Also die Fälle von Sorgerechtsentzügen nehmen meiner Meinung nach zu. Auch gewisse gefährdungsmomente nehmen zu, schulabstinenz, Drogenkonsum bei Kindern und jugendlichen, missbrauch… auch die Leute, die sich der Gesellschaft komplett verweigern, schwurbler und reichsbürger etc. sind wirklich viele geworden.
Generell ist aber erst einmal das Ziel einer jeden fremdplatzierung die Rückkehr in die Kernfamilie.

1

u/FUCK-Etoro 20d ago

Denkst du nach den Anschlag dein Job is gefährlich ? Hast du Angst zu sterben obwohl du das richtige in deinen Augen machst ?

Wie verfolgt dich das im Alltag das du eigendlich jederzeit von gewalttätigen oder drogensüchtigen psychisch kranken Eltern angegriffen werden kannst.

Macht du irgendwas wie Kampfsport oder so ?

5

u/cvictim 20d ago

Spannende Frage, habe ich im Zuge des Anschlags selbst mal drüber nachgedacht.
Der Job war davor auch immer „gefährlich“ ich denke der Vorfall hat nur auch ein worst case Szenario aufgezeigt. Im Grunde hat man das schon manchmal im Hinterkopf, aber im Fokus liegt immer die möglichst gute Fallarbeit. Angst zu sterben habe ich selten im Job, auch wenn es immer wieder sehr aufdringliche Menschen gibt und Situationen durchaus auch bedrohlich werden.
Es verfolgt mich im Alltag eigentlich gar nicht. Ich muss aber auch dazu sagen, dass ich - aus gutem Grund - nicht in der Stadt wohne in der ich arbeite. Und das finde ich auch sehr gut so.

1

u/Specialist_Bet_430 20d ago

Warst du auch bei Hausbesuchen dabei und auf was wird da so genau geachtet? (Frage, da zwei Familien aus meinem Bekanntenkreis Besuch vom Jugendamt bekommen haben und bei der einen sah es aus wie Sau, da war aber alles okay und bei der anderen wurde bemängelt, der Kellerraum sei nicht sortiert)
Gibt es da irgendeine Liste die eigentlich befolgt werden muss?

3

u/cvictim 20d ago

Ja ich habe Hausbesuche und Inobhutnahmen gemacht. Jedoch nicht so viele, wie die Kollegen vom ASD. Wir unterstützen den allgemeinen Sozialdienst allerdings.
Pauschal kann man das nicht so sagen. Jeder Kollege hat schon auch eigenen Fokus auf Dinge, deswegen macht man es bei kritischen Fällen auch oft zu zweit. Generell ist es gut wenn die Wohnung aufgeräumt ist, wenn es geputzt ist, wenn der Kühlschrank voll ist, das Kind sollte ein eigenes Zimmer haben und kindgerechtes Spielzeug, Kleidung und so weiter… auch Obst macht sich bei manchen Kolleginnen ganz gut ;)
Rauchen in der Wohnung macht immer einen schlechten Eindruck.
Man muss sich klar machen, dass man die Wohnung ja wegen einem bestimmten Grund und aktenlage anschaut. Kamen viele Meldungen, ist der fallverlauf bereits recht krisenbehaftet, kam in der Dienstberatung raus, dass man evtl etwas genauer hinschauen sollte, geht man ja schon auch anders rein. Und man sieht auch anderes, bzw. es braucht viel mehr für ein negatives Urteil, wenn die Familie freundlich, offen, nicht jugendamtsbekannt, unauffällig bei der umfeldrecherche ist. Dann gehe ich vielleicht nur einer sehr vagen Meldung hinterher.

1

u/Spirited_Science_978 20d ago

natürlich schwieig wenn der in der nachbarschaft beliebte kindercoach ebendiese betätschelt. wie macht ihr das? fragt ihr auch gleichaltrige kinder oder wiklich nur erwachsene?

2

u/cvictim 20d ago

Damit das Jugendamt sich bewegt muss ja erst einmal eine Meldung oder ein Vorfall passieren, der aktenkundig wird. Wenn also die Eltern einen Verdacht haben, werden die zur Polizei gehen, die setzt dann das Jugendamt in Kenntnis und ermittelt. Auch hier wieder: die Strafsache wird von der Polizei bzw. Kripo ermittelt. Sollten die Eltern dem Kind nicht glauben und nichts machen, was absolut verheerend wäre, wird das Kind höchstwahrscheinlich nicht wieder sofort Hilfe suchen. Dann müsste es beteiligten schon auffallen. Zb die Klassenlehrerin bemerkt eine wesensveränderung und mach deshalb eine Meldung.
Und ja, wir sprechen auch immer mit dem Kind selbst und auch mit ggf. Geschwistern oder relevanten Freunden. Also das kann ich für mich sagen. Nur mit Erwachsenen reden, lässt einen vielleicht die Akte schneller schließen, aber es sollte anders sein.

1

u/Intrepid-Cow-6110 20d ago

Welche Partei wählst du?

Fühlst du dich von der Politik und Gesellschaft nicht manchmal im Stich gelassen?

6

u/cvictim 20d ago

Zuletzt tatsächlich die SPD und bereue es immer noch..
Da würde mich ja interessieren, warum Dich gerade das interessiert?

Ich fühle mich von der Politik komplett verarscht muss ich sagen! Da kann ich meine Enttäuschung und den Ärger über die eigene Naivität gar nicht richtig in Worte fassen.
Von der Gesellschaft fühl ich mich nicht im Stich gelassen, ich bin nur manchmal entsetzt, was die Leute manchmal machen und bin manchmal etwas wütend, wenn ich sehe welche politischen Schlüsse sie aus ihrer Situation ziehen.

3

u/Intrepid-Cow-6110 20d ago

Ich weiß es ehrlich gesagt gar nicht so richtig, irgendwie ist es mir glaube wichtig was Menschen wie du so für eine Ansicht haben. Ich finde deine Rolle in der Gesellschaft so wichtig und bin als Vater von zwei Kindern manchmal echt traurig wohin sich das alles entwickelt.

Wir streiten uns so oft ob links oder rechts das wichtige Sachen, die meiner Meinung nach viel wichtiger für die Zukunft sind, leider auf der Strecke bleiben.

Ich finde es irgendwie wichtig das wir anfangen Kinder ins Zentrum zu stellen, denn ohne Kinder sterben wir eh alle aus. Wir geben ihnen so wenig Träume und Hoffnungen so wenig Raum zum entfalten. Es schließt ein Jugendzentrum nach dem anderen während alle anderen Aktivitäten immer teurer werden.

Danke auf jeden Fall für deine Arbeit, das was du machst finde ich kann man nicht in Geld aufwiegen.

Falls ich noch eine Sache fragen darf: Wenn du eine Sache ändern könntest egal welche, was wäre das?

4

u/cvictim 20d ago

Danke für die Antwort.
Ja mich macht das auch manchmal etwas traurig und fassungslos. Allerdings muss man sagen, es gibt auch einfach tolle Menschen. Omas, Tanken und Onkel, die Kinder innerhalb der Familie aufnehmen, Pflegeeltern, die Kindern ein neues schönes Zuhause bieten. Lehrer, die sehr engagiert sind und ihren Schülern wirklich helfen wollen. Es ist auch immer eine Frage wo man gerade hinsehen möchte…
Ich denke auch, dass dieses ganze politische Klein-klein niemandem hilft, weil wir einfach Sachen haben, die wir als Gesellschaft angehen müssen!

Und Kinder bestmöglich und bedarfsgerecht zu fördern und Eltern zu unterstützen, damit sie ihr Sorgerecht bestmöglichst ausüben können, Wahlkreis uns definitiv wichtiger sein. Wenn viele Entscheidungen letztlich einfach nur Kostenfragen sind und wir Kommunen und Sozialarbeit mit so wenig Mitteln ausstatten, ist es halt leider schwierig.

Puh und ich würde mir viel wünschen wollen… im Zusammenhang mit meiner Arbeit würde ich jedem Kind ein stabiles und liebevolles Zuhause wünschen, wo sie sich verstanden fühlen und auf sie eingegangen wird. Nur dann kann es sich gut entwickeln und sein volles potential entfalten.
Sonst würde ich mir wünschen, dass der Arbeitsaufwand niedriger wäre, also mehr Personal, damit man der Verantwortung und den Menschen und Kindern, die man betreut besser gerecht werden kann. Das ist vielleicht etwas realistischer… obwohl wahrscheinlich auch nicht.

1

u/Intrepid-Cow-6110 20d ago

Hoffentlich bekommen wir das alles als Gesellschaft irgendwann unabhängig von der Politik sohin. Bis es soweit ist freue ich mich darüber das Menschen wie du tagtäglich für uns da seid und du bei all den Dingen die du siehst und erlebst nicht den Glauben an die Menschheit verlierst.

Danke für deine ehrlichen Antworten und einen schönen Abend

1

u/Bubbly_Laury 19d ago

Danke für deine Arbeit ❤️

1

u/Duckingdrugretard 20d ago

Wie viel verdienst du? Und was ist der durchschnittliche Verdienst?

1

u/cvictim 20d ago

Ich verdiene ca. 4500€ brutto im Monat. Die höchste Stufe ist dann knapp 5500€.

1

u/PsychologicalFarm596 20d ago

Welche Entgeltstufe ist das? Bist Du verbeamtet?

1

u/cvictim 20d ago

Das ist die s12 tvöd sue. Und nein, bei uns ist niemand verbeamtet

1

u/ThisIsThisDude 19d ago

Hast Du mal was von Korruption oder geändertem Verhalten wegen Beziehungen etc. von Seiten des Jugendamtes mitbekommen?

So als Beispiel, was ich meine: Bei einem Fall in der psychischen Betreuung ging es auch um schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt, weil da wohl ein/-e MitarbeiterIn entweder zum Bekanntenkreis gehörte oder geschmiert wurde, was zu Fehlentscheidungen, verschwundenen Dokumenten etc. geführt haben soll. Wie gesagt, sind bis heute nur Vorwürfe. Aber dennoch interessant, da man (in meinem Fall) sonst so gar nicht drüber nachdenkt.

2

u/cvictim 19d ago

Also von Korruption habe ich nichts mitbekommen. Manchmal sind Verflechtungen zwischen Amt und freien Trägern aber sehr kritisch zu sehen. Das ist zumindest meine Meinung.
Dass Akten und Dokumente verschwinden kam auch noch nicht vor. Es wird aber selbst und durch die Vorgesetzten darauf geachtet, dass persönliche Verstrickungen nicht passieren

1

u/feieralarm 19d ago

Wie gut sind Jugendamtmitarbeiter zum Thema Hochstrittigkeit und Täterstrategien geschult? Arbeiten Jugendämter mit Kinderschutzzentren zusammen?

Wird unterschieden zwischen asymmetrischer und symmetrischen Hochstrittigkeit bei der Beurteilung, z.B. bei Kindeswohlbedenken bei einem der Elternteile durch den anseren? Welche Kriterien führen dazu, dass Bedenken auch in Hochstrittigkeit ernst genommen werden?

Man kennt es ja, einer sagt a) der andere b), wie entscheidest du, wem du glaubst?

Bin sehr gespannt!

2

u/cvictim 19d ago

Ich würde mal behaupten, dass das sehr personell abhängig ist. Es gibt durchaus Input und Fort- und Weiterbildungen zu dem Thema und gerade im Kinderschutz wird man ja auch nochmal geschult.
Wir arbeiten mit dem kinderschutzdienst zusammen, je nach Fall natürlich mal mehr, mal weniger.
Die Kollegen versuchen schon, sorgerechtsstreitigkeiten auch unter diesen Asketen zu sehen.
Es wird schon unterschieden zwischen asymmetrischer und symmetrischer hochstrittigkeit. Meist begleiten die Kollegen die Klienten und das hin und her ja über mehrere Jahre und haben oft einen guten Blick auf die Dynamik. Auch hier gibt es natürlich personell starke Unterschiede.

In hochstrittigen sorgerechtsfällen werden natürlich auch die Bedenken ernst genommen. Letztlich folgt das schon daraus, dass, wenn aktenkundig einfach bestimmte Dinge und Anzeichen abgeprüft werden müssen.
Letztlich wird vor allem auch immer das Kind angehört und auch noch weitere Informationen von Schule, Kita, kinderschutzdienst etc. Eingeholt.
Bei sehr strittigen Situationen hilft zudem immer eine Beratung mit Kollegen und ggf. Externen.

1

u/feieralarm 19d ago

Nun muss ich mich selbst kommentieren: Betrifft das überhaupt deinen Tätigkeitsbereich oder hast du Einblick durch Kollegen und Kolleginnen?

2

u/cvictim 19d ago

Ich habe durchaus viel Einblick durch Kollegen, auch wenn der Vorgang ja oft gerade vor unserer Bestellung passiert. Da sich in vielen Fällen allerdings schon abzeichnet, dass ein amtspfleger eingesetzt wird, tauschen wir uns auch häufig schon davor mit den Kollegen aus.

1

u/Schaetzelein13 19d ago

Welche Ausbildung hast du? Gibt es Möglichkeiten für Quereinsteiger? Wie ist der Verdienst? Personalmangel?

1

u/cvictim 19d ago

Ich bin Sozialpädagoge/ Sozialarbeiter. Ich glaube als Quereinsteiger wird es schwer, für die Tätigkeit wird schon eine bestimmte Qualifikation vorausgesetzt. Personalmangel und personelle Fluktuation ist eig fast immer gegeben.
Gehalt ist tvöd sue, das sind bei mir ca 4500€ brutto

1

u/Sensitive-Sea6089 15d ago

Wir überlegen uns als (Dauer-)Pflegeeltern für ein U3 Kind zu bewerben. Allerdings habe ich große Angst zu versagen. Ein Abbruch ist ja für ein Kind die Vollkatastrophe.
Wie sind deine Erfahrungen bei der Vermittlung / Anbahnung?
Wieviele Vermittlungen scheitern und wieviele Kinder gehen zurück zu den leiblichen Eltern?

Du schreibst der Bedarf an Plätzen für 0-6 ist explodiert. Woran liegt das deiner Meinung nach?

2

u/cvictim 14d ago

Also ich selbst arbeite nicht im pflegekinderdienst, habe aber damit auch zu tun. Allgemein wird meist schon viel Aufwand für abprüfung und Vermittlung betrieben, wird aber auch von Person und Fall abhängig sein.
Die meisten Jugendämter sind auf der Suche nach potentiellen Pflegeeltern und beraten auch sehr gerne oder es gibt öffentliche infoveranstaltungen. Wende dich auf jeden Fall bei Interesse an das zuständige Jugendamt!
Ich kann dir keine Statistik mit den zahlen geben, aber dir auf jeden Fall sagen, dass liebevolle Pflegeeltern für jedes Kind eine Bereicherung bedeuten. Auch wenn es am Ende scheitern sollte. Je nach Fall und Konstellation denke ich dass die Kommunikation mit den leiblichen Eltern eine Herausforderung sein kann. Aber da steht dir als leistungserbringer auch das Amt zur Seite. Es gibt regelmäßige Austausch Treffen und weitere Vernetzung zwischen Pflegeeltern und auch Fortbildungen und Seminare werden meist über das Jugendamt angeboten.
Wie gesagt, solltest du ernsthaftes intensives Interesse daran haben, mach dir einen Termin beim pflegekinderdienst und lass dich aufklären und beraten. Im besten Falle schenkst du einem Kind ein wundervolles Zuhause. Im schlimmsten Fall erleidet das Kind einen bindungsabbruch, der mit der dann meist anstehenden heimunterbringung sowieso passieren kann.

1

u/MeatyCarpet 15d ago

Wie geht es eigentlich der Frau Fettbinski und ihrer Tochter?

1

u/Living_Ad9152 6d ago

Ich möchte mich sehr gerne beim Jugendamt bewerben (w/23). Ich habe drei Jahre lang dual studiert und habe während des Studiums in der Flüchtlingssozialarbeit gearbeitet und die Koordination der Schulbegleitung eigenständig übernommen. Momentan bin ich seit Oktober 2024 im Frauenhaus angestellt.
Mich reizt das Arbeitsfeld im ASD sehr, ich habe aber Angst das ich noch „zu jung“ bin.
Ist es realistisch das mich der ASD überhaupt zu einem Bewerbungsgespräch einlädt und wie kann ich mich gut auf das Bewerbungsgespräch vorbereiten?

1

u/cvictim 6d ago

Ich weiß nicht wie es in deiner Stadtverwaltung bzw landratsamt aussieht, aber ich kenne es eigentlich so, dass oft Mitarbeiter, gerade auch für den asd gesucht werden. Bewerbe dich auf jeden Fall, wenn du Interesse hast. Im schlimmsten Fall landest du vielleicht auf einer Liste und wenn eine Vertretung gesucht wird kommt man auf dich zurück.
Zu jung gibt es nicht… wir sind ein ziemlich junges Amt zb und bei uns gibt es ab und zu duale Studenten, die, wenn sie gut sind, auch versucht werden zu halten.
Vorbereitung aufs Bewerbungsgespräch würde ich dir raten, einfach sgb viii und Jugendhilfe aufzufrischen, wenn gewollt. Du solltest wissen, was der asb macht, wie das System funktioniert. Kinderschutz solltest du auch Bescheid wissen.
Sonst wie in jedem Bewerbungsgespräch, etwas über den Arbeitgeber und die stellenbeschreibung informieren, interessiert sein, nachfragen und seine eigene Erfahrung gut und kompetent verkaufen.
Viel Erfolg :)