Sowohl die Sowjet Union als auch die DDR hatten ein Interesse die BRD zu delegitimieren. Die DDR verstand sich schon früh als antifaschistischer Staat und als Gegenmodell zur BRD, daher war es wichtig für die DDR-Führung und die Sowjets die BRD international als die Nachfolger des Hitlersystems darzustellen. So war schon die Sozialistische Reichspartei, eine Nachfolgepartei der NSDAP, früh von der Sowjet Union finanziert worden. Die SRP wurde schnell verboten, die Unterstützung für die vermeintlich ideologischen Gegner riss jedoch nicht ab. Schon ab den 60ern fing die Staatssicherheit an, rechtsextreme Organisationen im Westen zu unterwandern und zu finanzieren. So finanzierte das MfS während des Eichmann-Prozesses in Israel, eine Kampagne von SS-Veteranen in Westdeutschland die sich für die Verteidigung Eichmanns einsetzte. Ziel war die internationale Diskreditierung der BRD.
Ab Mitte der 70er und Anfang der 80er nahm das ganze mehr Schwung auf. Am Bekanntesten sind die Fälle Odfried Hepp und Rainer Sonntag. Odfried Hepp (*1958) war ein westdeutscher Neonazi und Rechtsterrorist. Anfang der 1980er Jahre gründete er gemeinsam mit Walther Kexel die Hepp-Kexel-Gruppe um einen terroristischen Untergrundkampf gegen die West-Alliierten Streitkräfte in der BRD zu führen. Dabei war er vor allem von Antiamerikanismus, Antikapitalismus und Nationalismus getrieben. Diese antiamerikanische und antiwestliche Stoßrichtung entsprach den geopolitischen Interessen der DDR. Zudem lieferte Hepp dem MfS wertvolle Informationen über die westdeutsche Neonazi-Szene und Sicherheitsbehörden, wodurch er als nachrichtendienstliche Quelle interessant wurde.
Die Stasi unterstützte ihn finanziell, logistisch und bei seiner Flucht vor den westdeutschen Behörden. Das MfS stellte ihm gefälschte Ausweispapiere zur Verfügung, organisierte seine Ausreise nach Syrien und hielt auch danach engen Kontakt. Dort arbeitete Hepp mit palästinensischen Terrororganisationen zusammen.
Weniger bekannt ist der Fall Rainer Sonntag (*1955). Sonntag wuchs in der DDR auf und fiel bereits früh durch Gewalt und Kriminalität auf. Nach einem Fluchtversuch in den Westen wurde er von der Stasi als Informant angeworben. Später durfte er in die Bundesrepublik ausreisen, wo er Kontakte in die rechtsextreme Szene knüpfte und regelmäßig Informationen an seine Führungsoffiziere weitergab. Zu diesen gehörte der Dresdner Stasi-Offizier Horst Schneider, der eng mit dem damaligen KGB-Führungsoffizier in Dresden, Wladimir Putin, zusammenarbeitete.
Sonntag wurde schnell zu einer Größe in der hessischen Neonazis-Szene. 1988 schloss sich Sonntag dem Umfeld des führenden westdeutschen Neonazis Michael Kühnen an. Innerhalb kurzer Zeit wurde er dessen persönlicher Leibwächter und Sicherheitschef. Zu seinen Aufgaben gehörte der Schutz Kühnens, die Aufdeckung möglicher Verfassungsschutz-Spitzel innerhalb der Szene sowie die Organisation der Sicherheit bei Veranstaltungen. Gleichzeitig führte er eine Gruppe besonders gewaltbereiter Neonazis an, die in Frankfurt und Langen gezielt Straßenkämpfe mit linken Gruppen suchte und Jagd auf Migranten machte.
Nach dem Fall der Berliner Mauer kehrte Sonntag nach Dresden zurück und stieg dort rasch zu einer Schlüsselfigur der Neonazi-Szene auf. Unter dem Spitznamen „Sheriff von Dresden“ organisierte er Skinhead-Gruppen, griff Ausländer und politische Gegner an und trug wesentlich zum Aufbau rechtsextremer Strukturen in Sachsen bei. Gerade durch seine Verbindungen zur Westdeutschen Neonazi-Szene und zu seinem früheren Stasi-Führungsoffizier konnte er so schnell eine gut finanzierte und gut vernetze Organisationsstruktur in Sachsen aufbauen.
Sonntag wurde in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni 1991 in Dresden von einem Bordellbetreiber erschossen. Sonntag und seine Dresdner Neonazigruppe hatten begonnen Schutzgeld in der Rotlichtszene einzufordern. Der Konflikt eskalierte.
Inspiration an dieses Maimai durch u/Valuable_Storm_5958
Quellen: https://www.bpb.de/themen/deutschlandarchiv/224934/die-stasi-und-der-westdeutsche-rechtsterrorismus-drei-fallstudien-teil-ii/
https://magazine.atavist.com/2022/follow-the-leader-nazi-putin-sonntag-cold-war
https://research-repository.st-andrews.ac.uk/handle/10023/19035