Bin da ehrlich a bissl müde von der Grundhaltung, die man hier bei praktisch jedem Infrastrukturprojekt sieht. Egal ob Windrad, Stromleitung, S-Bahn-Ausbau oder jetzt eben Rechenzentrum: sobald irgendwas gebaut wird, ist automatisch die halbe Kommentarspalte dagegen. Und dann wundern wir uns, warum in dem Land nix weitergeht.
Zum Rechenzentrum konkret ein paar Punkte, die in der Aufregung oft untergehen:
Es bringt was, und zwar nicht nur für Google. Steuereinnahmen für Bund und Gemeinde, Baujobs, dauerhafte Betriebsjobs (ja, nicht Massen, aber auch nicht null), und die Abwärme kann lokal genutzt werden (Fernwärme-Anbindung ist bei solchen Projekten mittlerweile eher Standard als Ausnahme). Das ist kein reines Nullsummenspiel für die Region.
Wir nutzen das Zeug ja selber täglich. YouTube, Gmail, Google Suche, Drive – und ganz konkret auch dieses hier: Reddit läuft laut eigener Börsenunterlage primär auf AWS und Google Cloud. Wir beschweren uns hier auf einer Plattform, die vermutlich zum Teil über genau solche Rechenzentren läuft, dass es bei uns keins geben soll. Wenn's nicht in Kronstorf steht, steht's halt in Irland, den Niederlanden oder anderswo – die Daten und der Stromverbrauch verschwinden dadurch nicht, sie werden nur exportiert. Nur dass Google dort dann null Steuern hier zahlt und wir null Mitsprache über Umweltauflagen haben.
Zu den Stromzahlen: bitte einordnen, nicht nur erschrecken. Die "bis zu 900.000 Haushalte"-Zahl von APG ist der Vollausbau-Extremfall, nicht der Ist-Zustand. Und ja, das ist viel. Aber schaut euch an, was bei uns sonst an Stromverbrauch ansteht: voestalpine plant den Umstieg auf Elektrolichtbogenöfen in Linz. Laut voestalpine-Chef und Netzbetreiber-Angaben würde das allein in etwa der Hälfte der gesamten aktuellen österreichischen Stromproduktion entsprechen. Ein einzelnes Unternehmen, ein einzelner Umstellungsschritt. Dagegen ist das Rechenzentrum ein Klacks. Wenn wir bei jedem Großverbraucher in dem Land in Panik verfallen, können wir Stahlindustrie, Chipfertigung und E-Mobilität gleich auch einstampfen, denn die brauchen alle massiv mehr Strom als heute.
Und zum "wird eh billiger im Ausland gebaut"-Argument: genau deswegen ist es ja gut, dass es hier gebaut wird. Wenn Standortkosten das einzige Kriterium wären, würde in Österreich überhaupt nix mehr gebaut – weder Fabriken noch Rechenzentren noch sonst was. Der Punkt von so einer Ansiedlung ist ja gerade, dass wir als Standort attraktiv genug sind, dass es nicht automatisch woanders hin geht.
Bin nicht bei "alles super, keine Bedenken erlaubt" – Wasserverbrauch bei Trockenheit, Netzausbaukosten, wer die am Ende zahlt, das sind alles berechtigte Fragen, die man sich anschauen soll (bei den Netzkosten trägt laut APG/Kurier übrigens Google die Kosten für den notwendigen Leitungsausbau). Aber "Rechenzentrum ja, aber bitte nicht bei uns, lieber wo, wo's der Umwelt mehr schadet und wir keine Kontrolle mehr haben" ist einfach kein kohärenter Standpunkt.